Frisieren

 

Schauvorbereitungen: Das Frisieren von Welsh Ponys

Anspruch eines verantwortungsbewussten Züchters muss es sein, den Anforderungen des – im Falle der Welsh Ponys – von der Mutter-Society vorgegebenen Zuchtzieles gerecht zu werden. Um den eigenen Standard einordnen zu können, ist ein Vergleich mit einer möglichst großen Zahl von Rassegenossen unabdingbar; und deshalb sollte er insbesondere auf großen Schauen in der Konkurrenz mit namhaften (weil seit Jahrzehnten erfolgreichen) Ausstellern gesucht werden. Nur wer so über den sprichwörtlichen eigenen Tellerrand hinausblickt, schafft die Voraussetzung für die unverzichtbare Selektion auch im eigenen Bestand.

Der beurteilende Richter muss bemüht sein, die vorgestellten Tiere nach ihrem erblichen Zuchtwert zu klassifizieren, dabei sollten äußere Umstände wie Fütterung, Pflege und Vorführung eigentlich unberücksichtigt bleiben. Doch ist es für den Richter äußerst schwierig, ja manches Mal schier unmöglich zu erkennen, ob Defizite z.B. in den Bewegungsabläufen des Ponys genetisch bedingt  oder auf die Behinderung durch den Vorführer zurückzuführen sind.

So trägt letztendlich auch die Frisur des Ponys dazu bei, ob ein möglichst günstiger oder gar ungünstiger Eindruck bei dem Richter hinterlassen wird.

Bei der Frisur von Welsh-Ponys gilt es neben allgemeingültigen Grundsätzen auch landesübliche Bräuche zu berücksichtigen, auf deren Beachtung nicht nur die aus dem Mutterland stammenden walisischen Richter großen Wert legen.

Zu den allgemeingültigen Grund- sätzen beim Frisieren von Pferden und Ponys gehört ganz sicher die Vermeidung jedweder nach- teiliger Folgen für das Tier. So hat es speziell in der Welsh-Szene im letzten Jahr eine zum Teil auch öffentlich geführte Diskussion über das so genannte Clippen, das Entfernen der Tasthaare also, gegeben. Diesbezüglich ist das deutsche Tierschutzrecht ein- deutig und nicht interpre- tationsfähig:
§ 6 Absatz 1 Satz 1 Tierschutzgesetz:
Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von
Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.

Zu den Organen eines Pferdes oder Ponys gehören eindeutig auch die Sinnesorgane, und zu letzteren eben besagte Tasthaare. Mit ihrem Entfernen (Abrasieren) wäre der Tatbestand der Organzerstörung im Sinne des § 6 I S. 1 TierSchG erfüllt. Ein solches Handeln ist somit nach deutschem Recht gesetzwidrig und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld belegt werden kann.

Haare, die aus den Ohren der Pferde und Ponys herauswachsen, dienen zur Verhinderung des Eindringens von Fremdkörpern und haben deshalb durchaus eine Schutzfunktion. Andererseits lassen sie die Ohren unfrisiert oftmals unproportioniert zur Kopfgröße erscheinen. 

Gegen das Stutzen der aus den Ohren herausragenden Haare ist solange nichts einzuwenden, wie dies nicht im Inneren des Ohres geschieht. Drückt man die Ohrmuschel zusammen und schneidet nur die sie überragenden Haarteile ab, bleibt die oben genannte  Schutzfunktion erhalten.

Ein wichtiges Beurteilungskriterium für die Durch- lässigkeit eines Pferdes ist die Ganaschenfreiheit.  Lange Haare am Unterkiefer lassen die Ganasche oft als zu eng und den Kopf als grob erscheinen und sollten deshalb ebenfalls entfernt werden.  Benutzt man dafür eine Schere, entstehen meistens optisch störende Schnitt- Stufen. Dies kann bei Absengen mittels eines Feuerzeuges vermieden werden. Das Absengen der Haare ist bei vorsichtigem Umgang mit dem Feuerzeug absolut schmerzfrei für das Pony. Gewöhnt man es frühzeitig daran, dann lässt es sich weder von  der Flamme noch von dem Brandgeruch und auch nicht vom Knistern, das beim Versengen der Haare entsteht, beeindrucken.

Mit Ausnahme der Reitponys, und damit auch der Welsh Partbreds, werden die Mähnen von Ponyrassen zum Zwecke der Schauteilnahme üblicherweise nicht eingeflochten.

Neben diesem allgemeingültigen Grundsatz verstößt das Einflechten der Mähnen von Welsh Ponys auch gegen den Brauch des Mutterlandes und sollte deshalb auch auf Schauen der deutschen Zuchtverbände unbedingt unter- bleiben, damit Züchter auch hier keine Desorientierung erfahren.

Gleichwohl sollte kein Pony mit unbehandelter Mähne an einer Schau teilnehmen.


Da Welsh  zu den edlen Ponyrassen zählen, soll die Mähne nur nach einer Seite fallen. Nach Möglichkeit soll sie auf der rechten Seite liegen. Damit das gelingt, sollte man bereits im Fohlenalter damit beginnen, sie immer wieder zur gewünschten Seite zu bürsten, wobei das häufige Befeuchten der Mähne durchaus hilfreich sein kann.  So kann die Mähne auch bereits am Tage vor der Schau zu einer Seite liegend nass eingeflochten werden. Wird sie dann vor Schaubeginn ausgeflochten, dann bleibt sie meist auf der gewünschten Seite liegen. Hilfsmittel wie Haarspray und –gel können durchaus ein Übriges tun.

Immer sollte die Mähne den Konturen der Halsoberlinie entsprechend auf eine gleichmäßige Länge verkürzt werden. Die verbleibende Länge der Mähne hängt sicher von Geschmack des Ponyhalters ab, dabei sollte die Mähne nicht über die untere Halslinie hinaus reichen, da dadurch die Konturen des Halses störend verdeckt werden.

Das Verkürzen der Mähne sollte stets durch das so genannte Verziehen mit einem Reißkamm erfolgen. Überlange Mähnenhaare werden dabei um den Kamm gewickelt und in kleinen Büscheln herausgerissen. So wird die Mähne nebenbei auch ausgedünnt, so dass sie danach auch glatter anliegen wird.

Nach gründlichem Waschen des Schweifes sollten seine Haare mit der Hand, das heißt mit den Spitzen zweier Finger so verlesen werden, dass keines mehr mit dem anderen verklebt oder gar verfilzt ist.

Ein Wallen von Schweif und Mähne erreicht man, indem die Haare in noch nassem Zustand je nach Geschmack und abhängig vom Geschlecht des Ponys mehr oder weniger fein eingeflochten werden und es bis kurz vor Schaubeginn auch bleiben.

Hat man den Schweif verlesen, dann sollte er so abgeschnitten werden, dass sein Ende bei dem in Bewegung befindlichen Pony eine parallel zum Boden verlaufende Linie bildet. 

Da man den Schweif in der Regel bei einem in der Ruhe (im Stand) befindlichen Pony beschneiden wird, lässt man den Schweif an seiner Rübe am zweckmäßigsten von einer zweiten Person so anheben, wie er in der Bewegung getragen werden würde, und schneidet dann parallel zum Boden ab.

Hat man keinen Helfer zur Verfügung, so muss man die Unterlinie des Schweifes von hinten nach vorn deutlich ansteigen lassen. Im Stand sollte der Schweif nicht weiter als bis zur Mitte der Hinterröhre herunter reichen. In der Bewegung wird sein Ende dann etwa auf der Höhe des Sprunggelenkhöckers getragen werden.

Insbesondere bei Warmblutpferden, aber auch bei unseren Welsh Partbreds häufig zu beobachten ist das Abschneiden der Seitenhaare am Schweifansatz. Diese Seitenhaare stellen zwar keine Organe im Sinne des Tierschutzgesetzes dar, dennoch sollte man sich ihrer Schutzfunktion vor lästigen Fliegen oder Bremsen sowie vor dem Eindringen von Nässe und Schmutz in After und Scheide bewusst sein.
Diese Schutzwirkung ist um so bedeutsamer, je häufiger die Ponys im Freien gehalten werden.  Wer auf den optischen Effekt, die Schweifhaltung edel und erhaben erscheinen zu lassen, nicht verzichten möchte, dem sei das vor allem in England verbreitete Einflechten der Schweifrübe empfohlen. Bei den Welsh Ponys der Sektionen A und B kann auf ein solches Einflechten aber gänzlich verzichtet werden.

Da die Zuchtzielbeschreibungen der Welsh Sektionen A und B  kräftige, trockene, kurze, ovale Röhren fordern, würde eine Entfernung des Fesselbehanges das Vorhandensein der gewünschte Fundamentsstärke optisch allenfalls beeinträchtigen und sollte deshalb gänzlich unterbleiben.

Zur Betonung des Adels bei den Welsh Partbreds ist ein Verkürzen der lang nach unten wachsenden Behaarung an der Hinterkante des Röhrbeines, an den Fesselköpfen und –beugen durchaus geeignet und damit auch zu empfehlen.

Abschließend sei festgestellt, dass durch ein professionell durchgeführtes Frisieren eines Ponys ganz sicher kein Klassenunterschied im Vergleich zu einem Mitbewerber wettgemacht werden kann. Bei sonst gleicher Qualität wird aber ein gut frisiertes Pony in der Regel immer besser abschneiden als ein „naturbelassener“ Konkurrent, auch wenn Welsh-Ponys durchaus zu den „Natives“ gehören.

 

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